Jahresreflexion statt guter Vorsätze

Wie das Sprichwort so schön sagt: Von Worten zu Werken ein weiter Weg. Deswegen machen wir lieber eine Jahresreflexion statt guter Vorsätze. Yay.

Das Jahresende wird ganz gern von dem einen oder der anderen mit guten Vorsätzen fürs nächste Jahr besiegelt. Das Ritual an sich ist ein Schönes, weil es eine Beschäftigung mit dem Gewesenen und Kommenden bedeutet – im besten Fall.

Gute Vorsätze sind out

Doch oft ist sind gute Vorsätze nur rituelle Lippenbekenntnisse à la Ich-sollte-mehr oder Ich-sollte-weniger, die statistisch häufig nur zwischen einem Tag und einem Monat halten. Vorsätze, die nach einem ungnädigen Blick in den Spiegel getroffen werden oder aus Angst vor dem nächsten Arztbesuch sind keine wirkliche Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen und Gewohnheiten.

„Es ist gut zu wissen, dass man eigentlich alles machen kann. Man muss nur damit anfangen.“

Julie Deane (Founder & CEO, The Cambridge Satchel Company)

Ok und nun? Soll ich mein liebgewonnenes Jahresabschlussritual canceln und  einfach weitermachen wie bisher – ohne Vorsätze? Au contraire, liebe Leser*innen, au contraire! Hier kommt ein besserer Vorschlag: Wie wäre es mit einer Jahresreflexion so kurz vorm Ende (des Jahres)? Famose Idee! Und was ist das?

Was ist eine Jahresreflexion?

Im Grunde ist dies ein achtsames Jahresabschlussritual, sozusagen die deepe Version der guten Vorsätze – nur besser. Ein Tool zur Besinnung und Abschiednehmen vom alten Jahr und für einen Start mit mehr Klarheit und Fokus ins neue. Nebenbei hilft es auch super beim Runterfahren vom stressigen Weihnachtstrubel.

Die Jahre fetzen gefühlt immer nur so vorbei. Dass Zeit vergeht ist deutlich erkennbar im Spiegel, aber um mal innezuhalten und zu schauen, was eigentlich so los war im eigenen Leben, fehlt sie dann irgendwie. Und so bleibt oft einfach nur ein schales Gefühl von Last und Stress vom vergangenen Jahr übrig und bildet dann die Basis für den Start ins kommende. Und auf die werden dann einfach ein paar ebenso unscharfe wie unrealistische „gute“ Vorsätze gehauen und der Fehlstart ins neue Jahr ist perfekt.

Nein. Das wollen wir nicht mehr, richtig? Wir machen jetzt mal was anderes, besseres, eine Jahresreflexion.

Wozu Reflexion?

Reflexion bedeutet Nachdenken, eine prüfende Betrachtung anstellen z.B. über das vergangene Jahr. Klingt erstmal nicht nach Sekt mit Früchten, aber macht tatsächlich Spaß und hilft enorm bei der eigenen Weiterentwicklung. Denn nur wenn ich weiß, was so gelaufen ist und mir ehrlich gestehe, wie’s so gelaufen ist, kann ich sinnvoll weitermachen.

Was lief gut und hat ein paar wohlwollende Klopfer auf die eigene Schulter verdient? Und was hat Verbesserungspotenzial und kann in Zukunft anders gemacht werden? So können wir uns einerseits feiern für unsere Erfolge – macht ja sonst keiner – und andererseits die gleichen Fehler nicht noch mal machen, sondern andere. Und so erkenne ich auch wo meine Stärken und Schwächen liegen und kann besser meinen Weg in eine goldene Zukunft bereiten.

Das alte Jahr gut verdaut, das neue motiviert im Blick – ouh, das wird toll.

Wie mache ich eine Jahresreflexion?

Also, die unschlagbaren Vorzüge einer Jahresreflexion wären geklärt, kommen wir zur Umsetzung. Es gibt natürlich nicht DIE EINE Jahresreflexion und keine andere, sondern viele verschiedene Formen. Für meine Jahresreflexion habe mich inspirieren lassen von Madame Moneypenny aka Natascha Wegelin, die sich wiederum von Herrn Strelecky inspirieren ließ und seinem aufschlussreichen Buch „The Big Five for Live von John Strelecky“.

Jahresreflexion Zutaten

Erstmal einen Timeslot von ungefähr einer Stunde. Keine Sorge wenn’s länger dauert, es ist wertvoll verbrachte Lebenszeit inklusive Me-Time und Klarheitseffekt. Gönn dir.

So. Der Termin ist gesetzt, die Atmosphäre entspannt, das Ambiente reizarm.

Du brauchst außerdem ein leeres Blatt Papier und einen Stift. Wer keine Lust auf Zeichnen hat, kann sich hier Change-is-female-Version als Pdf herunterladen. Nun noch ein Gläschen Tee oder Wein bereitgestellt und es kann losgehen.

Jahresreflexion Rezept

Male drei ineinander liegende Kreise – wie eine Zielscheibe – mit ein bisschen Platz zum Blattrand. In den innersten Kreis schreibe: „Essenz“

In den mittleren: „Gefühle“

Und in den äußersten: „Was ist in meinem Leben passiert?“

Zwischen Papierrand und äußeren Kreis kommt noch: „Was ist in der Welt passiert?“

Dann schießt du einen Pfeil durch alle Kreise mit der Spitze zur Mitte zeigend auf dem säuberlich 2023 platziert wird.

Los geht’s mit der Jahresreflexion – yay

Also, erstmal geht die Reise zurück ins vergangene Jahr – von außen nach innen.

1. Was ist in der Welt passiert?

Hier schreibst Du alles auf, was Dich so beschäftigt und berührt hat in diesem Jahr, was Einfluss auf Dein Leben hatte, auf Dein Wohl und Wollen.
Zum Beispiel: politische Ereignisse, Klimaereignisse, Krisen, …

2. Was ist in meinem Leben passiert?

Schreibe in den äußersten Ring alle wichtigen Vorkommnisse in deinem Leben in diesem Jahr.
Zum Beispiel: neue Liebe, Krise, Geburten, Kündigung, Schicksalsschläge, Erfolge, Urlaube, …

3. Wie habe ich mich dabei gefühlt?

Das kommt schön ordentlich in den nächsten Kreis. Es können ruhig mehr als weniger Gefühle pro Vorkommnis sein. Und versuche, Deine Gefühle genauer zu beschreiben als nur mit gut und schlecht.

4. Was ist die Essenz meines Jahres?

Das kommt in die Mitte. Schau Dir alle anderen Kreise noch einmal an und versuche, eine Essenz aus diesem Jahr zu extrahieren.

Zum Beispiel: Das Jahr der Veränderung, Raus aus dem Hamsterrad, Weltverbesserung, …

Ich kreiere außerdem gern einen Claim dazu, wie „Alles kann, nichts muss“ oder „Und täglich grüßt das Murmeltier“. Das ist aber nur Kür, keine Pflicht.

So. Das letzte Jahr wäre abgefrühstückt und gebührend verabschiedet. Mach’s gut. Wenden wir uns der goldenen Zukunft zu. Hello neues Jahr!

Ein Blick in die Glaskugel

Dafür wenden wir das Blatt und malen noch mal die 3 Kreise – oder drehen das ausgedruckte Pdf um, weil wir umweltschonend doppelseitig gedruckt haben. Die Kreise haben die gleichen Kategorien nur außen steht: „Was möchte ich der Welt geben im nächsten Jahr?“ Und der Pfeil zeigt diesmal nach außen und ist beschriftet mit einem dicken 2024. Nun fangen wir innen an.

Jahresreflexion 2023/2024

1. Was ist meine Essenz oder mein Motto für das nächste Jahr?

Das kommt in die Mitte.

Zum Beispiel: „das Jahr des Neubeginns“ oder „das Jahr der Demokratierettung“ oder „das Jahr der Verbundenheit“ …

2. Wie möchte ich mich im nächsten Jahr fühlen?

Das kommt in den mittleren Kreis. Und auch hier können alle Gefühle zugelassen werden, die das Jahr bestimmen sollen.

3. Was soll in meinem Leben im nächsten Jahr passieren?

In den äußeren Kreis schreibst du, was passieren muss, damit deine Gefühle im Nachbarkreis wahr werden können. Hier werde bitte so konkret wie möglich.

Zum Beispiel: Jobwechsel, Gründung, meine Finanzen regeln, meine Glaubenssätze überarbeiten,…

4. Was möchte ich der Welt geben im nächsten Jahr?

Schreibe hier zwischen den äußeren Kreis und den Blattrand.

Zum Beispiel: Empowerment, Sicherheit, Motivation, Inspiration, wahrhaftig Zuhören, …

So. Damit wäre die Sache klar und das neue Jahr kann beginnen. Wer den Zettel aufbewahrt bis zum nächsten Jahresende, kann ja mal schauen, ob die Zukunftsaussichten sich tatsächlich bewahrheitet haben. Und wenn nicht, warum eigentlich?

Habt ihr auch schicke Rituale zum Jahresende, die ihr teilen möchtet? Dann schreibt diese gern in die Kommentare. Und jetzt erstmal geschmeidigen Rutsch für alle!

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